Wer benutzt sie noch, die echten, achteckigen Aluminiumkannen von Bialetti, die (angeblich) in keinem italienischen Haushalt fehlen? Heute, wo in jeder Küche eine vollautomatische Kaffeemaschine dampft, zischt und blinkt, wirkt sie wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ja, damals als Student dachte man, sich ein wenig Weltläufigkeit in die Bude zu holen, ein Zeichen zu setzen gegen die blümchenkaffeeselige Spießbürgerlichkeit der Elterngeneration. Heute drückt sich die Durchschnittlichkeit in der Wahl des größten Kaffeevollautomaten aus. Und dabei nutzt man die Bialetti nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen der fast schon heilig zu nennenden Handlung der Zubereitung. Jeder Schritt will mit Bedacht durchgeführt sein: Befüllen des Wasserbehälters (aus der Leitung oder gefiltert?), Komprimieren des Kaffeepulvers im Siebeinsatz (die Dosierung ist wahrlich Glaubenssache), kraftvolles Zudrehen der Kanne, Entfachen der Gasflamme (nur das Knistern der Flamme und der leichte Gasgeruch vermitteln das authentische Gefühl), erwartungsvolles Lauschen auf das Brodeln bis am Ende nur noch ein leichtes Fauchen zu vernehmen ist. Das ist wahre Meditation.