
Im Atelier die Wand, an der die Schüler arbeiten. Woche für Woche pinnt ein anderer Mensch sein Blatt daran und legt all sein Mühen und Werken hinein, seine Wünsche, seine Kreativität, vielleicht auch seinen Schmerz. Und jeder hinterlässt eine andere Leerstelle, sichtbar nur durch den übrig gebliebenen Rand. Nur an diesem Rand kann man versuchen, den Menschen dahinter zu erahnen. Die Farben, die er benutzt, die Energie, mit der er über das Blatt hinausgemalt hat. Arbeitete er mit hellen und fröhlichen Tönen oder war sein Bild düster und traurig? Hat er ganz vorsichtig, zart nur hauchdünne Striche hinterlassen, in dem Übereinander der Ränder kaum auszumachen? Oder hat er sich und die Farbe verschwendet, in wilden Klecksen und herabrinnender Farbe Präsenz für sich beansprucht? So sind auch die Spuren, welche die Menschen auf Erden hinterlassen. Und egal, wie der Mensch gemalt und gelebt hat, erst im Zusammenspiel aller ergibt sich ein vollständiges Bild. Doch nur Gott allein weiß, was auf den einzelnen Blättern, den Seelen der Menschen gleich, dargestellt war.