Unnahbar

Ein wahrer Überlebenskünstler ist so ein Kaktus, bedarf wenig Wassers und schützt sich selbst vor Fressfeinden durch seine wehrhaften Dornen. Angepasst an eine Umgebung, die wenig zu bieten hat, kommt er mir vor wie ein moderner Großstadtmensch, sich Tag für Tag den Anforderungen einer auf Wachstum und Gewinnmaximierung verschriebenen Gesellschaft ergebend. Nur keines Menschen Leid an sich heranlassend, kommt man hier durchs Leben ohne selbst … Unnahbar weiterlesen

Nährboden

Unsichtbar für unsere Augen sind wir von Sporen umgeben, die nur darauf warten, auf den richtigen Grund zu fallen. Nährstoffe, Feuchtigkeit und Wärme lassen wie durch Zauberhand winzige Wälder wachsen, sich vermehrend, neue Sporen abstoßend und sich so immer weiter ausdehnend. Auch göttliche Liebe verbreitet sich auf diese verborgene Art in unserer Welt. Bin ich bereit, ihr Nährboden zu sein? Nährboden weiterlesen

Helios

Dräuende Wolken am Himmel türmen sich auf, Helios‘ feurigem Wagen die Sicht auf uns Erdlinge verwehrend. Fühlt er sich einsam dort oben, in Sphären entrückt, die uns Sterblichen fremd sind? Doch ungleich uns Menschen, die wir auf Licht und Wärme seiner täglichen Fahrt angewiesen sind, zöge er seine Bahn auch ohne unsere flehentlichen Bitten, höherer Weisung zu dienen. Uns allein bleibt nichts weiter als der … Helios weiterlesen

Wunden

Eine dicke Schutzschicht, mehrfach versiegeltem Lack gleich, bildet der Mensch im Laufe des Lebens auf seiner Seele, um sich durch die Fährnisse des Lebens hindurch einen aufrechten Gang zu erhalten. Manchmal genügt ein kleiner Kratzer, durch den die alltäglichen Anfechtungen in stetem Tropfen eindringen und im Verborgenen chemische Reaktionen auslösen, Verwundungen beginnen zu wuchern. Auch wenn die Welt glatte, glänzende Oberflächen will, die alles spiegelnd … Wunden weiterlesen

Leben

Vorsichtig reckt sich ein erster Trieb der Sonne entgegen. Goldener Glanz legt sich auf das Blatt und lässt die zarten, von neuem Leben durchströmten Adern im Licht erstrahlen. Der Gesang von Amseln untermalt das Idyll und man könnte sich inmitten der Großstadt selig wähnen, wären nicht die Bilder des Leids zu unserem Alltag geworden. Wie kann man sich freuen, angesichts des Mordens in der Welt? … Leben weiterlesen

Spuren

Der Mensch hat Angst, vergessen zu werden. Die Vorstellung, dereinst von diesem Erdboden verschwunden zu sein, ohne dass sich jemand anerkennend erinnert, bringt einem die eigene Bedeutungslosigkeit bitter zur Erkenntnis. Was ist das Leben denn wert, wenn das eigene Dasein sich so schnell verflüchtigt? Vertrauen die einen darauf, in den eigenen Kindern ein Stück weit weiterzuleben, suchen die anderen nach Ruhm als Bestätigung ihrer Existenz. … Spuren weiterlesen

Das Blaue vom Himmel

Unter einem blauen Himmel träumen wir uns in die selige Unendlichkeit. Nichts setzt uns Grenzen, nichts schränkt unsere Fantasie, nichts engt unsere Wünsche ein. Himmelsblau schenkt Freiheit. Unter einem blauen Himmel scheint mit einem Mal alles möglich. Das Einzige, das uns dabei im Weg steht, ist unsere Angst, der Himmel könnte uns auf den Kopf fallen. Und schon wird aus der Möglichkeit eine unbezwingbare Gefahr. … Das Blaue vom Himmel weiterlesen

Buntglas

Im trüben Licht des Winters verliert das Buntglas an Glanz. Das Leuchten, das sonst in uns kindliche Freude weckt, vergisst sich hinter grauem Schleier. Aber kennen wir das nicht von uns selbst? Auch wir schaffen es nicht immer, den Glanz, der uns innerlich erstrahlen lässt, in die Welt zu tragen. Sind manchmal blass wie stumpfes Buntglas. Sollten wir uns nicht täglich dieser Aufgabe annehmen, die … Buntglas weiterlesen

Zeichen

Ein farbiger Bogen am Himmel, der Menschen zu Hoffnung veranlasst. Wieso konnte er so populär werden? Gerne würde ich auf den Bogen verzichten, bedeutet sein Erscheinen doch immer, dass man dieses Hoffnungszeichens bedarf. Dass man erst den Regen überstehen muss, um sich danach im Sonnenschein zu baden. Durch die Dunkelheit gehen, um das Licht zu sehen. Für einen Regenbogen ist eben immer beides nötig, der … Zeichen weiterlesen

Demut

Als stummer Diener seit Jahrhunderten eine Grabplatte tragend blickt er mit großen Augen in diese zerrissene Welt. Die Zeit hat ihm einige Schrammen eingebracht, aber nie hat er sich von seiner Stelle gerührt. Stein auf Stein liegend ist es, als würde er sich selbst zur Last, gleich der Menschheit, die ewig unter ihrem Streben leiden muss. Doch er hält stand, bescheidet sich in seine Aufgabe. … Demut weiterlesen

Identität

Was macht den Baum zum Weihnachtsbaum? Steckt in den Sämlingen der Baumschule schon die spätere Berufung? Oder in der Jungpflanze, die im Weihnachtsbaumbetrieb kultiviert wird? Aber vielleicht wird der Baum ja auch erst zum Weihnachtsbaum sobald er geschmückt im Zimmer steht? Und spätestens wenn der erste Familienstreit über Aussehen, Größe und Schmuck entbrannt ist, kann sich ein Baum als wahrer Christbaum fühlen. Doch dann ist … Identität weiterlesen

Fantasie

Welten erschaffend und Berge versetzend ist die Fantasie eine der größten Gaben des menschlichen Geistes. Auf ihren Schwingen träume ich mich hinweg in eine Welt voll Sonne, Wärme und Leichtigkeit, nur um wenig später von banalen Eigenschaften der Materie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Es war doch kein Sand zwischen meinen Zehen, sondern Schnee.   Fantasie weiterlesen