Glück

Weich und pelzig liegt sie auf der Zunge bis mit einem sanften Druck gegen den Gaumen die Fruchtkörper zum Platzen gebracht werden, der süße Saft die Geschmacksknospen umspült und im Nachgang einen Anflug von Säure hinterlässt. Erinnerungen aus der Kindheit an sonnige Tage im heimischen Garten blitzen auf. Ein Gefühl von Unbeschwertheit, als gäbe es im menschlichen Geist eine Ahnung vom urzeitlichen Zustand der Unschuld. … Glück weiterlesen

Zündend

Eng an eng liegen sie: kleine Helfer, die den Funken überspringen lassen. Für den alltäglichen Gebrauch im Haushalt so nützlich, wünschten wir sie uns auch im übertragenen Sinne. Denn nicht immer ist er greifbar, der zündende Funke, der das Ideenfeuerwerk in uns entfacht. Feuer gewährte dem Menschen seit jeher Wärme, Nahrung und Schutz – es war für sein Überleben grundlegend. Doch auch im Geistigen sind … Zündend weiterlesen

Knöpfe

Wie ein Schatz war sie, die Sammlung alter Knöpfe in Mutters Nähkästchen. Eine Feier der Diversität und des Variationsreichtums. Egal, wie oft man sich die Sammlung zwischen den Fingern hindurchgleiten ließ – immer hatte man die vage Hoffnung, den einen, den ganz besonderen Knopf zu finden. Den goldenen Knopf vom Kleid einer Prinzessin, den verwunschenen Frackknopf eines Zauberers, den Hirschhornknopf vom Mantel eines Räuberhauptmanns. Jeder … Knöpfe weiterlesen

Verblasst

Verblassten Blüten gleich liegen so manche unserer Träume verwelkt in den vergessenen Ecken unseres Bewusstseins. Stößt man zufällig auf eines dieser trockenen Erinnerungsstücke, hält man kurz inne und versucht, sich die frische, duftende, lebendige Idee, die es einst verkörperte, wieder ins Gedächtnis zu rufen. Und mit den Jahren – je mehr solcher verwelkten Erinnerungen man angesammelt hat – wird man weiser und vermag auch im … Verblasst weiterlesen

Schneckentempo

Unbeirrbar macht sie ihren Weg. Immer geradeaus, immer konzentriert. Mit stoischer Ruhe. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie das Ziel nicht sehen kann. Es hat also gar keinen Sinn, sich Gedanken über das zu machen, was da wohl kommen mag. So kann sie ganz bei sich sein, achtsam, in Bewegung. Kein Blick zurück, kein Grübeln über die Zukunft, legt sie Zentimeter um Zentimeter zurück. … Schneckentempo weiterlesen

Wie die Orgelpfeifen

Die Orgel zeigt sich dem Betrachter nur von ihrer schönsten Seite, einer kunstvoll gestalteten Fassade, die sich möglichst gut in die Umgebung einpassen soll und nur einen Bruchteil dessen preisgibt, was in ihr steckt. Hinter einem prachtvollen Orgelprospekt verbergen sich noch allerhand große und kleine Pfeifen, die mehr zum Gesamtklang beitragen als das die Schauseite je könnte. So zeigen auch wir Menschen meist nur ein … Wie die Orgelpfeifen weiterlesen

Das Ein-Wesen

Tausende kleine Insekten, die alleine nicht überlebensfähig sind, bilden eine große Gemeinschaft, deren Fähigkeiten über die des Einzelnen hinausgehen. So kann ein Bienenschwarm zum Beispiel die Temperatur halten, obwohl das einzelne Tier wechselwarm ist. Der Bien ist eben mehr als die Summe seiner Teile. Wäre das für den Menschen nicht auch ein erstrebenswertes Ziel? Gemeinsam daran zu arbeiten, allen das Überleben zu ermöglichen? Ein friedliches … Das Ein-Wesen weiterlesen

Widersprüchlich

Schildkröten scheinen mir ein Paradox. Hart und weich zugleich, gepanzert gegen die Umwelt und doch völlig in ihr aufgehend. Wie mag das sein? So ganz und gar von der Umgebung, der Außentemperatur abhängig zu sein? Jeden Sonnenstrahl nutzen zu müssen, um ein wenig Leben in sich zu spüren? Und sofort wieder in Starre zu verfallen, wenn die Wärme von außen fehlt? Gleichzeitig die eigene Starre … Widersprüchlich weiterlesen

Grenzen

Täglich stößt man auf Grenzen. Sei es im Inneren, – Grenzen, die man sich selbst setzt -, oder im Draußen, – Grenzen, in die man verwiesen wird. Manchmal erscheinen sie uns notwendig, in den meisten Fällen aber doch willkürlich. Woher weiß man, wann es geboten ist, die Grenzen zu akzeptieren und wann man sie besser verschieben, vielleicht sogar überschreiten sollte? Und überhaupt, was ist eine … Grenzen weiterlesen

Geometrie

Vertikale und horizontale Linien strukturieren die Fläche, indem sie unterschiedlich großen Rechtecken Form geben. Während schmale hochrechteckige Flächen nach oben zu streben scheinen, bieten großflächige Quadrate eine beruhigende Basis. So bietet sich dem Auge eine angenehme Abwechslung zwischen dem Verharren in der Breite und dem Emporstreben in die Höhe. Vielleicht ein sinnfälliges Bild für ein gelungenes Leben? Im Ausgleich zwischen einer soliden Grundlage und dem … Geometrie weiterlesen

Rhythmus

Grünes Palmenblatt, über mir im Wind schwankend, flüstert mir ewige Wahrheiten zu. Aus der Mitte kommt alles, aus der Mitte strebt alles – hinaus in die Weite des Raumes. Greife aus, breite dich aus. Breitgefächert wirst Du die Welt in Besitz nehmen. Doch dann halte inne. Ist es nicht der umgekehrte Weg, den Du nehmen musst? Statt Dich in alle Richtungen aufzufächern und Dich zu … Rhythmus weiterlesen