Im Stadtpark
Forschen Schrittes marschiert das Teichhuhn über die Wiese. Den Blick fest auf mögliche Nahrung gerichtet, achtet es nicht der Menschen im Park. Wissen Stadttiere von ihrem privilegierten Dasein? Kein Fressfeind, den sie zu fürchten hätten, sowie Futterquellen in zahlreicher Form, von mitfühlenden Menschen bereitwillig geteilt. Und dennoch, mir scheint diese Daseinsweise unpassend, unnatürlich. Ein Leben im goldenen Käfig, statt in Freiheit um seine Nahrung zu … Im Stadtpark weiterlesen
Urlaubserinnerung
Im Grau des Winters verblasst die Erinnerung an vergangene Zeiten im Süden. Da kann es nicht schaden, ab und zu die alten Skizzenbücher herauszuholen und sich zurückzuträumen in die flirrende Hitze eines italienischen Sommertages. War der Staub, der sich damals auf das Grün legte, schon ein Vorbote der Vergänglichkeit? Wir wollen ihr trotzen und möglichst lange den warmen Windhauch auf der Haut spüren – den … Urlaubserinnerung weiterlesen
Pfannenwender
Welches Bild entsteht im Kopf, hört man dieses Wort zum ersten Mal, als Kind oder als Schüler deutscher Zunge? Eine Vielzahl an Fragen zieht diese Bezeichnung Pfannen-wender nach sich. Verbirgt sich dahinter ein Gerät zum Wenden von Pfannen? So wie man eben mit einem Kartoffelschäler Kartoffeln schält oder mit dem Scheibenwischer die Scheiben wischt. Doch fragt man sich, wieso man Pfannen wendet. Und wieso braucht … Pfannenwender weiterlesen
Strohstern
Fragile Gebilde, kunstvoll zusammengefügt aus Strohschnitt und Bindfaden, schmücken jetzt wieder die Weihnachtsbäume mit zackichter Form. Sanft drehen sie sich im Aufwind warmen Kerzenlichts und bringen die heilige Nacht auf doppelte Weise uns nah. Nicht nur an den Stern über der Krippe erinnern sie uns, sondern auch an das Stroh in der Krippe, auf dem das Kind gebettet lag – verbindend das Höchste mit dem … Strohstern weiterlesen
Bascetta-Stern
Nicht nur zur Weihnachtszeit begleitet uns ein Stern, wenn er uns auch nicht leuchtet. Mittlerweile leicht angestaubt, goldfarbenes Papier und weißes Rankenmuster, mit ein wenig Geschick und Geduld vor Jahren selbst gefaltet und zusammengesetzt aus dreißig Einzelteilen. Dreißig Teile, die auf unsichtbare Weise ineinandergreifen und sich gegenseitig Halt und Stütze sind, eine neue Form im Zusammenhalt erringend. Und so leuchtet er uns nicht und weist … Bascetta-Stern weiterlesen
Schlumbergera
Rechtzeitig im November blühte mein Weihnachtskaktus, wie jedes Jahr seiner Zeit voraus, mir lange vor dem Advent die heilige Zeit ankündigend. Nun, da der Dezember voranschreitet, wirft er mir seine abgestorbenen, vertrockneten Blüten vor die Füße. Voll Ärger über die zusätzliche Arbeit beginne ich, die rot-pinken Überreste einzusammeln und blicke auf den zauberhaften Fund in meinen Händen. Mehr noch als die leuchtenden Knospen und frisch … Schlumbergera weiterlesen
Der erste Schnee
Gestern war es schneidend kalt, mit harter Hand hatte der Winter Eisblumen an unsere Dachfenster gezeichnet, die den ganzen Tag nicht verblühen wollten. Die grausame Fratze des jugendlich stürmischen Winters hat angeklopft. Doch diese Nacht ist er abgelöst worden. Sein alter Onkel ist in die Stadt gekommen und hat uns einen wärmenden Mantel über die verfrorenen Glieder gelegt. Alles wirkt friedlicher, weicher, wie in Watte … Der erste Schnee weiterlesen
Adventskranz
Es ist Advent. Und wie jedes Jahr im Advent bringen wir Licht in unsere Wohnung, den vier Sonntagen vor Weihnachten eine herausragende Stellung zuweisend durch je eine eigene Kerze. Ein einfacher Kranz, gewunden aus Tannengrün, Koniferen- und Zypressenzweigen, vier Bienenwachskerzen, mehr braucht es nicht. Kein glitzernder Schmuck könnte mehr ausdrücken als diese einfache Zusammenstellung. Ohne Anfang, ohne Ende aus dreifacher Einheit gewoben der Kranz, Licht … Adventskranz weiterlesen
Musterbeutelklammer
Du bist eines der großen Rätsel der Menschheit. Man hat dich in einem vergessenen Winkel der Schreibtischschublade liegen, ohne dich jemals zu benutzen – außer vielleicht die Schwiegermutter (aber Schwiegermütter scheinen generell als Gegenbeispiele für alles Mögliche geschaffen zu sein). Als Ganzes ausgestanzt aus einem Stück dünnen Metallblechs glänzt du raffiniert gebogen zu einem runden Kopf, der in zwei verschieden lange Arme ausläuft. Ein wenig … Musterbeutelklammer weiterlesen
Walnussbaum
Mein Blick aus dem Fenster fällt auf den großen stattlichen Walnussbaum im Nachbarsgarten. Tag um Tag, Jahr für Jahr ziehen meine Gedanken an ihm vorbei in den Himmel, während er stumm und unbeteiligt seine Wurzeln tiefer in die Erde gräbt. Von den ersten zartgrünen Spitzen im Frühjahr über das volle schattenspendende Blattwerk im Sommer bis zu den gelb-braunen Farbspielen im Herbst gibt er meinen Augen … Walnussbaum weiterlesen
Nebel
Wenn sich im November Nebel düster durch die Straßen drückt, von Ecke zu Ecke wallt und alles verschluckt, bringt er das graue Gefühl mit. Den Blick aus dem Fenster erreicht lediglich der Baum, der im Garten verzweifelt seine nackten Arme in den Himmel streckt, was dahinter liegt, verliert sich schemenhaft im allesverschlingenden Grau. Man zieht sich zurück, darauf hoffend in den eigenen vier Wänden davor … Nebel weiterlesen
Berg
Sinnbildlich als Fels in der Brandung oder als Gipfel, den es zu erklimmen gilt, gibst du uns ein Zeichen der Stärke, der Größe, der Solidität. Aufgerichtet vor uns, versperrst du uns den Blick in die Weite, stellst uns in den Schatten. Nur wer wagt, es mit dir aufzunehmen, wer keine Angst vor steinigen Wegen und tiefen Abgründen hat, wird die Nähe des Himmels auf deinem … Berg weiterlesen