Lebenslektüre
Seite um Seite geht es im Buch voran. Ab und an lohnt sich ein Innehalten. Was habe ich von dem Gelesenen mitgenommen? Hat es mich unterhalten oder belehrt? Erinnere ich mich noch an kleine Details? Vielleicht ein Gänseblümchen auf Seite 92. Oder die Farbe des Mantels auf S. 358. Doch dann geht es weiter, Blatt für Blatt wollen wir das Geschehen mitverfolgen. Uns hineinziehen lassen. … Lebenslektüre weiterlesen
Symbolträchtig
Ein letzter Strohstern hängt am Baum und lädt zu stiller Betrachtung. Von ruhiger Hand gefertigt zeigt er die Kunstfertigkeit alter Tradition. Ob schon die Hirten im Stall zu Bethlehem das Krippenstroh zu Sternen banden und als Geschenk darbrachten? Zart wie das Neugeborene und fragil wie des Menschen gute Vorsätze. Halm für Halm liegt über Kreuz, reihum versetzt sieht das Stroh aus, als würde es sich … Symbolträchtig weiterlesen
Glanz des Alters
Im diamantenen Kleid des Raureifs krönt sich abgestorbene Natur zu neuer Pracht. Längst gesprungene Kapseln, ihr Gut freigebend und überflüssig geworden, hängen wie vergessen am Strauch. Nun dürfen sie ein letztes Mal glänzen und träumen. Edel und glitzernd wähnen sie sich Ballköniginnen einer langen Nacht. So kann sich auch im Verwelkten und Vergessenen eine besondere Schönheit zeigen. Nicht die Frische und der Glanz der Jugend, … Glanz des Alters weiterlesen
Unten und oben
Beim Spaziergang über Regenpfützen einen Blick in die Unendlichkeit getan. Selbst zwischen all dem Matsch und Dreck dieses Lebens ist ein Stück Himmel zu entdecken, wenn man Augen und Herz dafür öffnet. Dann schaut man im Niederen das Hohe, im Kleinen das Große und alle irdischen Dimensionen verlieren ihre Gültigkeit. Dieser Blick wird den Menschen mit Weihnachten geschenkt. Unten und oben weiterlesen
Leere Blicke
Neulich im Trödelladen. Glasaugen blicken mich an. Was sie wohl sehen? Ich stelle mir vor, dass alles, worauf sie jemals gerichtet wurden, auf magische Art in ihnen gespeichert ist. Ein materielles Gedächtnis. Wäre es auf diese Art vielleicht möglich, einmal die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen? Ein spannendes Gedankenexperiment. Was würden wir nicht alles entdecken, woran wir sonst vielleicht achtlos vorübergehen? Doch … Leere Blicke weiterlesen
Labyrinth
Das Leben ist eine andauernde Herausforderung. Ständig verlangt es uns Entscheidungen ab, deren Auswirkungen wir nicht überblicken können. Da braucht es eine starke Richtschnur, die uns auf geradem Wege schreiten lässt. Doch was ist es, das uns durch die Wirrnisse und Irrnisse des Lebens führt? Welche Ariadne gibt uns den Faden, dem wir folgen können? Glücklich, wer wie Kant das moralische Gesetz in sich vernimmt. Labyrinth weiterlesen
Im Verborgenen
Schicht um Schicht legt sich aufeinander, wölbt sich, faltet sich zusammen, möglichst viel Fläche auf kleinstem Raum nicht verbreitend, sondern stauchend. Ein herrliches Muster entdeckt sich beim Schnitt durch den Kohlkopf, ein Mäander im Kleinen. Vielschichtig im Verborgenen, außen glatt. Unbeschriebene Blätter, was könnten sie alles fassen! Eine geheime Botschaft, die vielleicht auch uns eingeschrieben ist? Um das herauszufinden, müssen wir uns wohl erst selbst … Im Verborgenen weiterlesen
Unzeitgemäß
Metallisch glänzend von Magenta bis Kirschrot spreizt die Schlumbergera ihre Blütenblätter in den Raum. Ihr Wunder an Leuchtkraft lässt im novembertrüben Zimmer die Zeit vergessen. Ein wenig nimmt sie den Weihnachtsbaum mit rotaufgesteckten Kerzen in Miniaturform vorweg. Ein wenig lässt sie von saftigen Kirschen träumen, sommerlich süß. Lässt man sich auf sie ein, verliert man sich in der Zeit, sich nach einer schöneren Wirklichkeit sehnend. Unzeitgemäß weiterlesen
Vereinzelung
Ein letztes Blatt am Baum. Der traurige Rest eines satten Sommers, im regnerischen Grau des Herbstes allein gelassen. Einsam im Wind schwankend. Sinnbild des Novembergefühls. Die goldenen Tage des Oktobers liegen hinter uns und versinken im Nebel des Vergessens. Die Kerzenglanztage des Dezembers noch eine ferne Ahnung erst. Wie das Blatt hängen wir in der Luft, in einem Dazwischen. Können die schöne Zeit noch nicht … Vereinzelung weiterlesen
Another Brick
Mauern einreißen, Grenzen sprengen – wer wollte das nicht? Alles, was uns beschränkt, einengt, voneinander absondert, weg damit! Doch finden sich die hartnäckigsten Mauern nicht um uns herum, sondern in unseren Köpfen. Und sie zu stürzen rüttelt an unseren eigenen Grundfesten. Es ist leichter gegen das Außen zu wüten als im Innen Ordnung zu schaffen. Es ist leichter Stein auf Stein zu schichten als zu … Another Brick weiterlesen
Allerlei
Aus Unordnung und kreativem Chaos entstehen sorgfältig komponierte Werke. Aus dem Allerlei wird eine Einheit. Der Künstler muss einem Schöpfer gleichen, der jedem Farbtupfer wie einem Individuum seinen Platz zuweist, der sortiert und ordnet. Muss Ausgleich schaffen, indem er Gegensätze aufeinander abstimmt. Muss an manchen Stellen kontinuierliche Übergänge schaffen, an anderen scharfe Kontraste wirken lassen. Und manches, was im Detail unstimmig erscheint, wird sich aus … Allerlei weiterlesen
Symmetrie
Oben und unten, Himmel und Erde – in genauer Übereinstimmung liegt alles in zweifacher Weise vor uns. Blicken wir auf ein ruhiges Gewässer, schenkt sich uns die Welt doppelt. Statt sich nach dem fernen Himmel zu sehnen, haben wir alles in fast greifbarer Nähe zu unseren Füßen liegen. Sogar kleinste Pfützen eignen sich zu diesem Spiel. So zeigt sich uns der Abglanz des Himmels oft … Symmetrie weiterlesen