Schöpfung
Die kreative Kraft des Zufalls ist nicht zu unterschätzen. Umgestürzte Farbeimer, fluchende Mitarbeiter, Farbspritzer auf Boden, Wand und Kleidung, ein schimpfender Chef und überfordertes Reinigungspersonal – was als Unglücksfall begann, endet als Kunst. Entstanden aus einer Kette von Handlungen unterschiedlicher Personen mit verschiedenen Interessen, die alles andere als ein Kunstwerk im Sinn hatten. Da fragt man sich, an welchem Punkt des Missgeschicks das ästhetische Ende … Schöpfung weiterlesen
Wohin?
Woran soll man sich orientieren, um den Weg zu den großen Zielen im Leben zu finden? In unserer unübersichtlichen Welt ist das gar nicht so leicht. Dabei gibt uns schon der Begriff „Orientierung“ die Richtung vor. Meint er doch die Ausrichtung auf das den Orient repräsentierende Jerusalem. Als heilige Stadt lag es auf den christlichen Weltkarten des Mittelalters immer oben. Zugleich steckt darin die Ausrichtung … Wohin? weiterlesen
Gefunden, frei nach Goethe
Im Getriebe der Großstadt kann es vorkommen, dass man so für sich hingeht und nichts zu suchen im Sinn hat, aber dennoch etwas findet. Im Schatten sieht man eine Kiste steh’n und schon ist man versucht alles an sich zu reißen. Da heißt es bedachtsam auswählen, nur das nehmen, was man braucht, auch wenn ein Gratisangebot verlockend ist. Und nur das nehmen, was man heil … Gefunden, frei nach Goethe weiterlesen
Skizzen
Einige flüchtig hingeworfene Striche, nur halb im Ernst, mehr Zeitvertreib als Vorarbeit. So füllt sich das Buch Skizze um Skizze, eine Spielerei reiht sich an die nächste. Was hält man damit fest? Wo führt es hin? Vielleicht ist das hier die falsche Frage. Manchmal hat auch das Nichtige, Skizzenhafte, das Unfertige einen Wert für sich. Nicht in allem sollte man nach Vollendung streben, sondern das … Skizzen weiterlesen
Einsichten
Als Kind hatte ich eine Phase, in der ich mit Vorliebe Querschnitte von Häusern gemalt habe. Jeden Tag neu, jeden Tag eine andere Einrichtung, andere Menschen, andere Geschichten. Die Freiheit in der Gestaltung war viel größer als das Spiel mit einem Puppenhaus jemals hätte bieten können. Oder auch aus Lego – Stein für Stein Stockwerk über Stockwerk gestapelt, wieder abgebaut und wieder neu zusammengesetzt. Ein … Einsichten weiterlesen
Ausgedient
Achtlos weggeworfen liegt der Torso einer Modepuppe im Grünstreifen der Kleinstadt. Trotz Nacktheit und Verstümmelung ist ihr ein dümmliches Grinsen ins Gesicht gemalt. Sinnbild einer Welt, in der das Weibliche immer noch auf Aussehen und Unterwürfigkeit reduziert wird. Doch immerhin, sage ich mir, hatte da ein Kind genug davon und sich dessen entledigt. Bleibt zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und irgendwann all diese … Ausgedient weiterlesen
Boten
Mit VerlangenDrück ich deine zarten Wangen,Holder, schöner Hyazinth.Und dein‘ Augen küss ich gerne,Weil sie meine MorgensterneUnd der Seele Sonne sind. (BWV 201) Des Frühlings zarte Vorboten bringen pastellene Töne in unsere Herzen. Zurückhaltend in Weiß, Rosé und Violett geben sie ein Versprechen von Unschuld. Sanft wie einst der Jüngling Hyakinthos, der selbst einen Gott zu betören vermochte. Und doch zieht mit ihnen Trauer und Tragik … Boten weiterlesen
Idyll
Der Mensch träumt sich gern in eine bessere Welt, eine ländliche zumeist. Beschaulich und friedlich soll es dort zugehen, die Landschaft ist reizvoll, die Natur harmlos und hässliche Dinge sucht man vergebens. Doch warum einem bukolischen Ideal nacheifern, wo doch alles viel einfacher zu haben ist? Holen wir das Grün in die Städte! Einige Blumentöpfe reichen aus und das Vertrauen auf die Rücksicht der Passanten. … Idyll weiterlesen
Monotonie
Im ewig gleichen Einerlei stellt sich schnell Ermüdung ein. Der Reiz der Abwechslung bleibt aus, Langeweile macht sich breit. Man stumpft ab und beachtet die Einzelheiten nicht mehr. Wieso auch, wenn sowieso alles gleich ist? Das ewig gleiche Einerlei kann aber auch Sicherheit geben. Wenn alles gleich ist, weiß ich, woran ich bin, was mich erwartet. Und aus dieser Sicherheit heraus kann ich vielleicht sogar … Monotonie weiterlesen
Anverwandlung
Kunst ist ein wundersames Ding. Wie sich Graphitabrieb in verschiedener Stärke und Dicke auf weißem Papier verteilt. Sattes Grau ins Schwarze strebend, durchbrochen von hellsten Nuancen, Stellen, an denen das Papier noch durchscheint. Licht und Schatten, ein Spiel von hell und dunkel. Und so stellt sich beim Blick auf sorgsam aufgetragenen Graphit, einer Erscheinungsform von Kohlenstoff, die Anmutung von Falten in samtigem Stoff ein. Kunst … Anverwandlung weiterlesen
Fehlstellen
Eine Blume in Lochstickerei, kleinteilige Arbeit von Großmutters Hand. Wie in der Musik die Pausen das Stück bestimmen, sind es hier Löcher, die das Muster bilden. Fehlstellen, die den Rhythmus vorgeben, so dass etwas Neues entsteht. Oder ist es doch der Stoff außen rum, der das Muster trägt? So wie die Noten wichtig sind, um die Pausen hörbar zu machen? Das eine geht nicht ohne … Fehlstellen weiterlesen
Unrund
Gerade sieht man sich noch in vollem Tempo durchs Leben sausen, auf der Überholspur, der Erfolgsspur gar. Schon wird man ausgebremst, wodurch auch immer. Es läuft nicht mehr rund. Und was passiert, wenn etwas unrund läuft? Man landet auf dem Abstellgleis, aussortiert und unbrauchbar. Doch vielleicht liegt ja ein Vorteil darin, durchs Leben zu ‚achtern‘. Im gemächlicheren Tempo hat man Zeit, mehr zu sehen, Details … Unrund weiterlesen