Idyll
Der Mensch träumt sich gern in eine bessere Welt, eine ländliche zumeist. Beschaulich und friedlich soll es dort zugehen, die Landschaft ist reizvoll, die Natur harmlos und hässliche Dinge sucht man vergebens. Doch warum einem bukolischen Ideal nacheifern, wo doch alles viel einfacher zu haben ist? Holen wir das Grün in die Städte! Einige Blumentöpfe reichen aus und das Vertrauen auf die Rücksicht der Passanten. … Idyll weiterlesen
Monotonie
Im ewig gleichen Einerlei stellt sich schnell Ermüdung ein. Der Reiz der Abwechslung bleibt aus, Langeweile macht sich breit. Man stumpft ab und beachtet die Einzelheiten nicht mehr. Wieso auch, wenn sowieso alles gleich ist? Das ewig gleiche Einerlei kann aber auch Sicherheit geben. Wenn alles gleich ist, weiß ich, woran ich bin, was mich erwartet. Und aus dieser Sicherheit heraus kann ich vielleicht sogar … Monotonie weiterlesen
Anverwandlung
Kunst ist ein wundersames Ding. Wie sich Graphitabrieb in verschiedener Stärke und Dicke auf weißem Papier verteilt. Sattes Grau ins Schwarze strebend, durchbrochen von hellsten Nuancen, Stellen, an denen das Papier noch durchscheint. Licht und Schatten, ein Spiel von hell und dunkel. Und so stellt sich beim Blick auf sorgsam aufgetragenen Graphit, einer Erscheinungsform von Kohlenstoff, die Anmutung von Falten in samtigem Stoff ein. Kunst … Anverwandlung weiterlesen
Fehlstellen
Eine Blume in Lochstickerei, kleinteilige Arbeit von Großmutters Hand. Wie in der Musik die Pausen das Stück bestimmen, sind es hier Löcher, die das Muster bilden. Fehlstellen, die den Rhythmus vorgeben, so dass etwas Neues entsteht. Oder ist es doch der Stoff außen rum, der das Muster trägt? So wie die Noten wichtig sind, um die Pausen hörbar zu machen? Das eine geht nicht ohne … Fehlstellen weiterlesen
Unrund
Gerade sieht man sich noch in vollem Tempo durchs Leben sausen, auf der Überholspur, der Erfolgsspur gar. Schon wird man ausgebremst, wodurch auch immer. Es läuft nicht mehr rund. Und was passiert, wenn etwas unrund läuft? Man landet auf dem Abstellgleis, aussortiert und unbrauchbar. Doch vielleicht liegt ja ein Vorteil darin, durchs Leben zu ‚achtern‘. Im gemächlicheren Tempo hat man Zeit, mehr zu sehen, Details … Unrund weiterlesen
Zahn um Zahn
Auserkoren zum Bestandteil einer großen Burg wird der Baum vom Biber Biss für Biss benagt bis er fällt. Ganz ohne technische Hilfsmittel, dafür mit viel Ausdauer schafft das Tier, was unserem planenden Geist vermutlich aussichtslos erschiene. Unglaublich großer Wille, viel Selbstbewusstsein und starkes Vertrauen gehören dazu, wenn man ein Projekt beginnt, dessen Ausgang nicht abzusehen ist. Vielleicht brauchen wir ja auch mehr vom Biber, um … Zahn um Zahn weiterlesen
Lebenslektüre
Seite um Seite geht es im Buch voran. Ab und an lohnt sich ein Innehalten. Was habe ich von dem Gelesenen mitgenommen? Hat es mich unterhalten oder belehrt? Erinnere ich mich noch an kleine Details? Vielleicht ein Gänseblümchen auf Seite 92. Oder die Farbe des Mantels auf S. 358. Doch dann geht es weiter, Blatt für Blatt wollen wir das Geschehen mitverfolgen. Uns hineinziehen lassen. … Lebenslektüre weiterlesen
Symbolträchtig
Ein letzter Strohstern hängt am Baum und lädt zu stiller Betrachtung. Von ruhiger Hand gefertigt zeigt er die Kunstfertigkeit alter Tradition. Ob schon die Hirten im Stall zu Bethlehem das Krippenstroh zu Sternen banden und als Geschenk darbrachten? Zart wie das Neugeborene und fragil wie des Menschen gute Vorsätze. Halm für Halm liegt über Kreuz, reihum versetzt sieht das Stroh aus, als würde es sich … Symbolträchtig weiterlesen
Glanz des Alters
Im diamantenen Kleid des Raureifs krönt sich abgestorbene Natur zu neuer Pracht. Längst gesprungene Kapseln, ihr Gut freigebend und überflüssig geworden, hängen wie vergessen am Strauch. Nun dürfen sie ein letztes Mal glänzen und träumen. Edel und glitzernd wähnen sie sich Ballköniginnen einer langen Nacht. So kann sich auch im Verwelkten und Vergessenen eine besondere Schönheit zeigen. Nicht die Frische und der Glanz der Jugend, … Glanz des Alters weiterlesen
Unten und oben
Beim Spaziergang über Regenpfützen einen Blick in die Unendlichkeit getan. Selbst zwischen all dem Matsch und Dreck dieses Lebens ist ein Stück Himmel zu entdecken, wenn man Augen und Herz dafür öffnet. Dann schaut man im Niederen das Hohe, im Kleinen das Große und alle irdischen Dimensionen verlieren ihre Gültigkeit. Dieser Blick wird den Menschen mit Weihnachten geschenkt. Unten und oben weiterlesen
Leere Blicke
Neulich im Trödelladen. Glasaugen blicken mich an. Was sie wohl sehen? Ich stelle mir vor, dass alles, worauf sie jemals gerichtet wurden, auf magische Art in ihnen gespeichert ist. Ein materielles Gedächtnis. Wäre es auf diese Art vielleicht möglich, einmal die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen? Ein spannendes Gedankenexperiment. Was würden wir nicht alles entdecken, woran wir sonst vielleicht achtlos vorübergehen? Doch … Leere Blicke weiterlesen
Labyrinth
Das Leben ist eine andauernde Herausforderung. Ständig verlangt es uns Entscheidungen ab, deren Auswirkungen wir nicht überblicken können. Da braucht es eine starke Richtschnur, die uns auf geradem Wege schreiten lässt. Doch was ist es, das uns durch die Wirrnisse und Irrnisse des Lebens führt? Welche Ariadne gibt uns den Faden, dem wir folgen können? Glücklich, wer wie Kant das moralische Gesetz in sich vernimmt. Labyrinth weiterlesen